Fernabrünst
im Wandel der Zeit
Der Name Fernabrünst leitet sich ab von der
althochdeutschen Sprachform der Wörter brennen und Brand, die sich bis heute in
unserem Sprachgebrauch in den Wörtern Feuersbrunst und inbrünstig erhalten hat.
Der Namensteil Ferna hingegen ist zu verstehen als die mundartliche Form
für das Wort Föhre, bei uns Fehrn gesprochen, die dann in etwas abgewandelter
Art erst 1594 in die Schreibung übernommen wurde. Dies war nötig, da der Ort
jahrhundertelang einfach Brünst hieß und man ihn mit dem Zusatz Fern besser von
einem Brünst bei Schwabach unterscheiden konnte.So deutet der Ortsname auf
Brandrodung hin, auf das Abbrennen der Föhrenwälder, wie ja auch die Lage von Fernabrünst
inmitten einer großen Rodungsinsel erkennen läßt, daß vor sehr langer Zeit der
Wald im Umkreis des Ortes Stück für Stück gerodet wurde. Wir wissen aber, daß
die Bauern, die hier den Wald zurückdrängten, um Ackerland zu gewinnen, nicht
die ersten Siedler in den riesigen Wäldern waren, die sich nach dem Ende der
letzten Eiszeit 10000 v. Chr. hier ausgebreitet hatten und eine Landschaft
bedeckten, die ursprünglich jener glich, wie wir sie heute noch in den
Schneeregionen des nördlichen Lapplandes finden. Es muß damals aber noch freie
Flächen gegeben haben, denn eine Reihe von Grabhügeln in den Wäldern um
Fernabrünst, vor allem gegen Großhabersdorf zu, lassen erkennen, daß unsere
Landschaft schon einmal in der frühesten Eisenzeit um 800 v. Chr. besiedelt
war. Diese Siedlungen scheinen aber später aufgegeben worden zu sein, nicht
weil die Menschen durch kriegerische Auseinandersetzungen vertrieben wurden,
sondern aufgrund der Bodenermüdung infolge fehlender Düngung. Nach ihrem Abzug
aber wanderte der Wald weiter vor und deckte alles zu. Zu neuer Rodung und
Besiedlung auch im Raum Fernabrünst kam es erst wieder beim Vorstoß der
Franken, die etwa im 7. Jahrhundert n. Chr. hier das Land in Besitz nahmen.
Wann dies für Fernabrünst geschah, ist zwar nicht auf das Jahr genau erfaßbar,
kann aber doch aufgrund der Namensform und der engen Beziehungen abgeschätzt
werden, die Fernabrünst im Laufe seiner langen Geschichte zum benachbarten
Großhabersdorf hatte, das aber damals noch Huduwartesdorf hieß, Dorf des Haduwart.
Von Großhabersdorf wissen wir, daß es
enge Bindungen an das Bistum Eichstätt hatte, das von Bonifatius, dem
Glaubensboten aus England, 742 gegründet worden war. Auch Willibald, der erste
Bischof von Eichstätt, war zusammen mit seinem Bruder Wunibald und seiner
Schwester Walburg aus England gekommen, die hier unter den Franken ein
geläutertes Christentum verbreiteten. Alle drei wurden später vom Volk als
Heilige verehrt. am meisten aber Walburg, deren Gebeine um 880 in ein Kloster
in Eichstätt überführt wurden, das noch heute nach ihr benannt ist. Ihr aber
wurde die Kirche in Großhabersdorf geweiht St. Walburg, sicher noch vor der
Jahrtausendwende, und zum Pfarrsprengel der Großhabersdorfer Walburgiskirche
gehörte auch Fernabrünst, wohl von Anfang an, das heißt, wenn wir von heute
aus zurückrechnen, seit über 1000 Jahren. Beweise dafür, daß der ganze Bereich
Großhabersdorf - Fernabrünst als Eigengut im Besitz des Domstiftes Eichstätt
war, gibt es eine ganze Reihe. So übertrug 1265
Bischof Hildebrand von Eichstätt dem Burggrafen Friedrich von Nürnberg das
Patronatsrecht über die Kirche in Großhabersdorf und ein Gut in Brunste, eben
in Fernabrünst, das wohl zur Ausstattung Kirche gehörte, d. h. zum Kirchengut.
20 Jahre später überließ Bischof Reimboto von Eichstätt dem adeligen
Reichsbeamten Rindsmaul von Grünsberg im Tausch für die Burglehen von Wernfels
Güter in Hadewartstorf und Brünst, wobei Rindsmaul gelobte, etwaige Mehrerträge
gegenüber dem vorherigen Besitz an Eichstätt herauszugeben. Rindsmaul selbst oder
sein Sohn scheint die Güter in Fernabrünst aber dann an den Burggrafen von
Nürnberg verkauft zu der sie nach einer
Urkunde aus dem Jahre 1302 an das Bistum Eichstätt zurückgab.
Es scheint aber, als habe der Burggraf, dessen Geschlecht zum Landesherren
unserer Gegend aufgestiegen war, dennoch weiteren Besitz in Fernabrünst gehabt,
denn 1343 verschreiben die Burggrafen Johann und Albrecht von Nürnberg ihrer
Mutter Einkünfte aus mehreren Orten als Witwenversorgung, darunter auch die
...in dem dorff Prünst... Daneben ist aber auch Reichsbesitz der Herren von
Berg und Leonrod in Fernabrünst nachweisbar, ja sogar die Nürnberger hatten
1490 im Ort Fuß gefaßt. Aber nicht nur kirchlich war Fernabrünst von
Großhabersdorf abhängig, sondern auch vom sogenannten Ehgericht in diesem Ort
für alle Fälle der niederen Gerichtsbarkeit. Wenn z. B. ein Fernabrünster einen
anderen Hundsbeutel tituliert hatte, oder eine Fernabrünsterin hatte in ihrem
Hausgarten Ruß gestreut, während ihre Nachbarin gerade ihre Wäsche daneben auf
der Bleiche liegen hatte, dann wurden sie vor den Dorfrichter in Großhabersdorf
zitiert und mit einer Geldbuße belegt. Als Blutgericht aber für alle Fälle von
Diebstahl, Mord, Brandstiftung und Vergewaltigung war Roßtal zuständig, wo
Bürgermeister und Schöffen das Todesurteil sprechen konnten. 2Hatte aber einer
einen anderen nicht vorsätzlich getötet, sondern aus Fahrlässigkeit oder im
Affekt, dann regelten die Bauern den Totschlag durch einen Sühnevergleich, ohne
daß damals die Gerichte tätig wurden. Dies galt auch für Fernabrünst bis 1516,
als die Brandenburgische Kriminalgerichtsordnung eingeführt wurde. Wir dürfen
annehmen, daß im Ort auch einmal so ein Fall vorgekommen sein muß, denn zur
Sühneleistung gehörte auch die Errichtung eines Steinkreuzes für die Seele des
Erschlagenen, wie wir heute noch eines in Fernabrünst finden. Als die
Burggrafen 1417 Markgrafen von Brandenburg und Kurfürsten geworden waren, kamen
die fränkischen Besitzungen durch Erbteilungen an Nebenlinien der Hohenzollern,
die hier regierten. So gehörte Fernabrünst zum Fürstentum Ansbach, dann 1769,
als die Bayreuther Linie der Hohenzollern ausgestorben war, zum Fürstentum
Ansbach - Bayreuth. Als die Wolken der französischen Revolution über Europa
heraufzogen, verkaufte der letzte Markgraf Carl Alexander auf Drängen seiner
englischen Mätresse, der Lady Craven, 1791 Fürstentum Untertanen an das
Königreich Preußen gegen eine Rente, die er in England verzehrte. Preußen, das
dieses Gebiet von Staatskanzler Hardenberg verwalten ließ, mußte aber seinen
fränkischen Besitz auf Druck Napoleos 1805 im Vertrag von Schönbrunn an Bayern
abtreten, und die Fernabrünster erfuhren am 1. Januar 1806 von der Kanzel in
Großhabersdorf, daß sie über Nacht aus Preußen Bayern geworden waren. Aber ganz
hatten die Hohenzollern in Berlin ihre fränkischen Lande doch nicht vergessen,
denn 1914 rückten die Männer aus Fernabrünst zwar unter den bayerischen Fahnen
des 21. lnfanterieregimentes in Fürth ins Feld, den Oberbefehl aber hatte der
Hohenzoller Wilhelm II. als Kaiser.
Noch heute gedenkt Fernabrünst der Toten des 1. und 2. Weltkrieges.
Einundzwanzig Männer kehrten aus den Kriegen nicht mehr in die Heimat zurück,
ein hoher Blutzoll für einen Ort von der Größe Fernabrünsts. Sie haben ihrer
Heimat Fernabrünst mit ihrer Tapferkeit Ehre gemacht, genauso wie die vielen
Menschen früherer Generationen und der heutigen Fernabrünst Ehre gemacht haben
und noch machen durch ihre Arbeit und ihren Willen, das Alte zu wahren und sich
dennoch dem Fortschritt nicht zu verschließen.
(Entnommen aus der Festzeitschrift “75 Jahre Gesangsverein Fernabrünst” geschrieben von H. Mahr. Vielen Dank!)

Zum Gedenken an die
Gefallenen und Vermißten
der beiden Weltkriege
Bevölkerungsentwicklung
|
Jahr |
1612 |
1732 |
1807 |
1855 |
1885 |
1933 |
1985 |
2000 |
|
Häuser |
32 |
24 |
35 |
40 |
44 |
38 |
90 |
|
|
Einwohner |
160 |
120 |
197 |
190 |
220 |
203 |
268 |
|
Fernabrünst wurde während
des 30-Jährigen-Krieges völlig eingeäschert.
1808 Bildung der politischen Gemeinde Fernabrünst
durch Zusammen-schluß der bis dahin selbständigen Ortschaften Fernabrünst
Vincenzenbronn und Wendsdorf. 1972 kam die Gemeinde Fernabrünst zur
Verwaltungsgemeinschaft Großhabersdorf/Ammerndorf. Von der Gemeinde
Großhabersdorf wurde in Fernabrünst ein großes Baugebiet ausgewiesen (heute im
Sprachgebrauch die “Siedlung”). Seit 1960 verdoppelten sich die Häuser. Die
Ortsverbindungsstraße Großhabersdorf - Fernabrünst wurde erstmalig 1959 gebaut.
Nach Voll-endung der Clarsbacherstraße wurde sie zur Kreisstraße FÜ 21
auf-gestuft. Im Jahre 1985/86 wurde sie vom Landkreis Fürth als “Rennstrecke”
ausgebaut. Wendsdorf - Fernabrünst wurde 1960 aus-gebaut, 1973 das zweite und
2000 das dritte mal, nachdem die Straße bei den Kanalarbeiten 1998 erheblich
beschädigt wurde. Die Verbindungsstraße Vincenzennbronn -Fernabrünst wurde 1961
fertiggestellt. Der Ausbau der Strecke Fernabrünst nach Clarsbach erfolgte
1962.
Landwirtschaftliche
Entwicklung
Früher waren in Fernabrünst
insgesamt 36 Bauern, welche Milch geliefert haben, heute sind es nur noch 4
Milchlieferanten. Bis 1920 hat eine Frau Schroti aus Roßtal privat täglich die
Milch mit einem Pferd abgeholt.
Von da ab sammelte ein
Kleinlandwirt täglich die angefallene Milch und fuhr sie mit dem Pferd nach
Ammerndorf in die Molkerei. 1949 wurde in Fernabrünst ein gemeinschaftliches
Milchhaus gebaut, wo morgens und abends die Milch aufbewahrt und gekühlt worden
ist. Seit 19** muß jeder Milcherzeuger die Milch am Hof kühlen, womit das
Milchhaus überflüssig war und 1998 in die Neugestaltung des Dorfplatzes in den
dortigen Scheunenumbau einbezogen wurde.
1938 wütete in Fernabrünst die Maul- und Klauenseuche, sie verschonte nur drei Gehöfe.